Boxen

 

Mitunter werde ich gefragt, was ich als Familienberater und Familientherapeut an Boxen interessant finde? Boxen sei doch brutal, was soll daran schön sein. Nun wird eine solche Frage meist von Menschen gestellt, die noch nie selber geboxt haben. Ich gebe es zu, ich habe früher selbst dazu gehört.

Ich selber gucke mir weder im Fernsehen noch live Boxveranstaltungen an. Ich habe mal eine Zeit lang Boxunterreicht bei einem Kampfsportlehrer genommen und mache gelegentlich mal einen Workshop mit bei dem geboxt wird. Interessant am sportlichen Boxen (bei dem es um Treffer geht, nicht aber um Vernichtung des Gegners) scheint mir folgendes zu sein:

Es geht um zwei zentrale menschliche Fähigkeiten: Angriff und Verteidigung. 

Angriff und Verteidigung, das mag für Pazifisten und Anthroposophen martialisch klingen, weswegen Mannschaftsspiele wie Fußball auch verpönt sind. In deren Logik kann man scheinbar auch auf dem meditativen Zen-Weg wandeln und sich fragen wozu Angriff und Verteidigung gut sein sollen, wo es doch darum ginge alles loszulassen, dem irdischen nicht verhaftet zu sein und alle Begierden abzutun. Mit niemanden zu streiten und wenn man auf die linke Wange geschlagen wird auch noch die rechte hinzuhalten.

Die Menschen die auf diesem Weg wandeln, wer wollte sie aufhalten? Doch es gibt nicht nur diesen einen Weg, auf dem man gehen kann, sondern viele Wege, unendlich viele Wege und auf mindestens einem dieser vielen Wege kann man auch das sportliche Boxen finden.

 

Im Boxkampf geht es auch darum seine physische aber auch sein psychische Kraft einzusetzen, an seine eigenen physischen und psychischen Grenzen zu gehen. Tut man dies nicht, so verliert man den Kampf, denn der andere Kämpfer wird unweigerlich in den Angriff gehen und wenn er auf keine gute Verteidigung trifft, den Sieg erringen.

 

Boxen stellt auch eine Begegnung von zwei Menschen da, die - so kann man es sehen - bereit sind einander ihre Kraft zu schenken und sich damit auch ernst zu nehmen.

Nicht wenige Paarbeziehungen leiden daran, dass die Lebendigkeit der Beziehung in scheinbarer Harmonie und Konfliktlosigkeit ertränkt wird. Da (konstruktive) Aggressivität aber ein zentraler und unverzichtbarer Bestandteil menschlichen Miteinanders ist, muss die Aggressivität heimlich und destruktiv gelebt werden. Sei es in Form von Mobbing im Betrieb, in Zurückweisung des Partners in der Partnerschaft, durch Liebesentzug für den Partner oder die Kinder. Oder auch in Form eskalierender Konflikte zwischen getrennt lebenden Eltern, in der die gemeinsamen Kinder als Waffen gegen den anderen Elternteil, den ehemaligen Partner benutzt und missbraucht werden und die nur allzu häufig in familiengerichtlich ausgetragenen Fortsetzungskriegen münden.

Etwas provokant gesagt, Menschen die in Achtung und Respekt einen sportlichen Boxkampf austragen, brauchen sich nicht in destruktiv endenden Kriegen zu befeinden.

Technisch gesehen ist es beim Boxen jedoch nötig, zwei physisch etwa gleich starke Kontrahenten miteinander kämpfen zu lassen. In heterosexuellen Partnerschaften haben Mann und Frau aber oft nicht die gleiche physische Kraft, d.h. der Mann ist der Frau oft physisch überlegen. Auf Grund der weiblichen Anatomie wird ein Boxkampf zwischen einer Frau und einem Mann auch besonders zu beachtenden Regeln unterworfen sein.

Leichter und fairer ist es daher, dass sich ein Mann einen etwa gleichstarken Mann als Kontrahenten wählt und eine Frau eine ebenbürtige Kontrahentin.

 

 

 

 


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